Leben lernen
Von den Blumen das Leuchten lernen,
Von der Sonne lernen zu wärmen,
Von den Wolken lernen, leicht zu schweben,
Von den Vögeln lernen, Höhe zu gewinnen,
Von den Bäumen lernen, standhaft zu sein,
Von den Büschen im Frühling Erneuerung lernen,
Von den Blättern im Herbst das Fallenlassen lernen,
Von der Erde lernen, mütterlich zu sein,
Vom Mond lernen, sich zu verändern,
Von den Sternen lernen, einer von vielen zu sein,
Von den Jahreszeiten lernen,
dass das Leben immer an jedem Tag von Neuem beginnt.
(Ute Latendorf)
Liebe Yoga- und Klang-Liebhaber,
was können wir vom Leben lernen dieser Tage, in denen wir so einen kraftvollen Sommer spüren und die Natur uns dieses „Feuer“ beschert.
Ich suche in den Dingen gerne die zweite Seite.
Es mag gerade sehr anstrengend sein, vielleicht unbequem oder auch eine große Last – gibt es daran etwas Positives zu entdecken?
Gibt es eine andere Seite zu finden, wo ich mit schnellen und unachtsamen Gedanken sonst drüber hinweggehe?
Und wenn ich achtsam und etwas tiefer schaue, kann ich einen Impuls finden, der mich unterstützt?
Kann uns diese extreme Hitze der letzten Tage so vielleicht nicht nur Schwitzen und Stöhnen entlocken, sondern auch ein Hinweis oder Spiegel sein?
Vielleicht zu überprüfen, was mir gut tut, wo ich aus üblichen Abläufen und Gewohnheiten zurückzutreten und in Ruhe schauen kann, was mir wirklich wichtig ist. Was kann oder muss ich liegen lassen, was geht gerade nicht, was ist im Moment unmöglich zu tun und wo kann ich mir jetzt diese Freiheit nehmen, einfach „nein“ zu sagen, weil es schlicht nicht geht.
Ich weiß nicht, wie es dir ging in den letzten Tagen.
Ich habe vieles nicht gemacht und die Kühle gesucht. Und es genossen, meinem inneren Antreiber („du bist ja ganz schön faul, meine Liebe“) mal auszulachen und ohne schlechtes Gewissen weiter zu atmen, zu schwitzen und nichts zu tun.
Weil es nicht anders ging!
Einige Dinge, wie z.B. meine Yogastunden, habe ich gemacht. Inhaltlich angepasst an die Temperaturen und ja, vor allem die Abendstunden waren schon grenzwertig. Tatsächlich gibt es kühlende Atemtechniken wie den Sitali Pranayam, mit denen wir versucht haben, unsere Körper ein klein wenig zu erfrischen und viele Übungen im Liegen und extrem langsam praktiziert.
Oder einfach sitzen und tief atmen – nichts TUN, sondern das SEIN fühlen.
Ich empfinde diese Zeit als sehr eine sehr krasse Aufforderung, Altes zu überprüfen und immer wieder zu schauen, was tut mir gut, was dient mir, was ist wirklich wichtig.
Was sind alte (An-)Gewohnheiten oder war früher einmal sinnvoll heute eben nicht mehr.
Wo bin ich in Automatismen und alten Mustern, wo in alten Kontroll-Strukturen, statt im Vertrauen.
Nicht nur die Welt im Großen ist im Wandel, sondern wir alle im Einzelnen auch.
Was bleibt mir, wenn die scheinbare Sicherheit im Außen nicht mehr langfristig sicher ist? Wo finde ich meine Sicherheit und mein „Zuvertrauen“, wenn der Arbeitsmarkt z.B. durch KI im Wandel ist, wo sich die Natur in extremen Wettern aufbäumt, die politische Lage unsicher…
Es fordert uns auf, hinzuschauen. Und Änderung kann nur im Einzelnen stattfinden.
Ich bin für mich verantwortlich und nicht für dich. Und was eint uns – bei aller Unterschiedlichkeit?
Gestern habe ich eine schöne Analyse aus astrologischer Sicht im Zusammenhang mit dem Vollmond morgen Nacht gelesen. Und auch hier geht um intensive Selbst-Reflektion und -Erkenntnis:
Zitat: „Im Juli und August dieses Jahres treten wir in eine der intensivsten Phasen des Jahres ein. Auf dem Weg jeder Seele kommt ein Moment, in dem die Strukturen, die uns einst Schutz boten, zu eng werden für den Menschen, zu dem wir uns entwickeln. Was einst Sicherheit bot, kann sich nun einengend anfühlen. Verantwortlichkeiten, die unserem Leben einst Sinn gaben, können uns nun schwer auf den Schultern lasten, während Träume, die still im Hintergrund gewartet haben, nur darum bitten, wahrgenommen zu werden.“
Auch aus dieser Perspektive heraus haben wir jetzt in diesem Vollmond die Gelegenheit, uns von alten Mustern zu lösen und mehr Authentizität zu erlangen. Es ist die Einladung, hinzuschauen auf die Strukturen, die wir uns geschaffen haben, unsere Verantwortlichkeiten, Beziehungen, Überzeugungen, vielleicht sogar unsere Identität. Und behutsam fragen: Sind wir noch im Einklang mit der Entwicklung unserer Seele?
Das Foto oben entstand heute aus dem Schatten der Sommerlinde in der Hängematte.
Die Weite des Himmels, der mir alle Möglichkeiten schenkt.
Und jetzt habe eine angenehme Vollmond-Woche, lausche deinem Leben und sei herzlich gegrüßt