Am vergangenen Wochenende entstand das Bild oben. Es ist ein Blick im „Friedensgarten“ direkt neben dem Hofgut Ruckhardtshausen.
Die buddhistischen Fähnchen flattern lustig im Wind. Tibetische Gebetsfahnen sollen zum Frieden, Glück und Weisheit jedes Lebenswesens beitragen. Mit ihrer bunten Leichtigkeit sind sie richtig freudig-ansteckend.
Wir waren dort zum zweiten Wochenende einer Meditations-Lehrer*innen-Ausbildung, die ich im Ausbilder-Team mit begleite. Es ist faszinierend, wie sich die Welt während und nach solch einem intensiven Meditations-Wohenende anfühlt.
Es geht ja bei Meditation nicht darum, auf einem hübschen Kissen zu sitzen, den Daumen an den Zeigefinger zu legen und friedvoll OM zu singen. Das wäre zu oberflächlich und zu kurz geschaut.
Bei all den vielen Techniken, die es gibt, geht es letztlich darum, seinen Geist zu schulen und in Kontemplation zu gehen. Sich aus dem Äußeren heraus ins Innere zu begeben, um langfristig all die Ablenkungen und Äußerlichkeiten im Leben zu entdecken und sie als solche zu entlarven. Um Stück für Stück dem eigentlichen Kern näher zu kommen.
Das kann schon einmal unwirklich scheinen, denn der Verstand kommt da nicht mehr mit.
Die Techniken der Meditationen werden genutzt, um in einen anderen Geisteszustand oder Bewusstseinszustand zu kommen – ohne Substanzen und frei von Nebenwirkungen – und damit hinter das Denken, hinter den Verstand und das weltliche Ich.
Dann kann es vorkommen, dass sich für eine Weile Zeit und Raum aufzulösen scheinen und bedeutungslos werden, dass man seinen Körper nicht mehr wahrnimmt, wie in einer anderen Wirklichkeit.
In dieser anderen Wirklichkeit „hinter dem Verstand“ muss auf einmal nichts mehr erklärt werden, es wird still. Es braucht keine wissenschaftlichen Belege, denn es ist direkte, eigene Erfahrung.
All die Muster und Prägungen, unsere Glaubenssätze, Überzeugungen, Weltanschauung, unsere Meinungen, was wie sein muss und sich wie gehört, erscheinen plötzlich in einem ganz neuen Licht.
Die Gedanken und der Geist werden klarer.
Was hervorkommen kann, ist ein Blick auf die Welt mit einem anderen Ich-Verständnis. Und was ist eigentlich das Ich? Und welches?
Die alten östlichen Traditionen nennen es „die Welt der Illusion (Maya) erkennen“.
Und damit den Weg zu öffnen heraus aus Leid und Angst, Schuld und Drama – hin zu einer friedvollen, inneren Verbindung, in der alles schon da ist. Kein Verlangen („ich brauche noch das…, um zu …“), sondern das Wahrnehmen des inneren Friedens, der schon immer da war und immer sein wird.
Dieses friedvolle Gefühl nach dem vergangenen Wochenende hat in der Intensität im Laufe der Tage etwas nachgegeben. Realitätscheck zurück im Alltag. Da geht es schon anders zu, als im ländlichen Idyll in einer Gruppe in Meditation.
Schon kommen ein paar Schlagzeilen aus den Zeitungen oder Gespräche über einen schlechten Gesundheitszustand oder Krieg.
Krasser Gegensatz. Das Leben schenkt mir einen sofortigen Realitätscheck des Gelernten und der gemachten Erfahrung: Was macht der Verstand, was machen die Gedanken, was ist meine erlernte Reaktion… einatmen – ausatmen – – – umdenken, loslassen…
Meditation endet nicht, wenn ich vom Kissen aufstehe. Yoga endet nicht, wenn ich den Yogaraum verlasse. Es ist ein stetiger Prozess des Bewusstseins. In jedem Augenblick im Alltag meinen Atem fühlen und achtsam und präsent leben. Jetzt und hier. Verbunden mit allem, statt allein und getrennt.
Wie fühlt sich das für dich an?