Mit einem Feuer fühlt der Mensch sich niemals allein.
Die Flamme kann Gesellschaft leisten – darin steckt der Urzusammenhang zwischen Flamme und Seele.
(Oswald Spengler)
Heute grüße ich ganz herzlich aus der Hängematte im Garten!
Hier liege ich, Blick in den Himmel, höre die Vögel zwitschern und der ein oder andere Maikäfer kommt vorbei gesummt. Eine tiefe sonntägliche Stille umgibt diesen Platz, die ich sehr genieße.
Lustig – seit dem letzten Blog (es ging um Langsamkeit…) entdecke ich mehr und mehr meine eigene Langsamkeit – ich hab mich sozusagen selbst inspiriert… Und jetzt an diesem langen Wochenende mit den drei freien Tagen genieße ich das Nichts-Tun, nachdem in der letzten Zeit immer wieder viel los war.
Und mir kommt gerade in den Sinn, was wir in den Yogastunden immer wieder praktizieren: Spüre den Fluss deines Einatmens, den kurzen Wechselpunkt der totalen Stille, spüre das Ausfließen des Atems und wieder den Wendepunkt. Lasse deinen Atem langsamer werden und ganz fein fließen. Spüre, wie sich dein Bauch und Brustkorb heben und senken und gehe mit deinem Rhythmus.
Und dann kommen immer wieder Gedanken dazwischen, während ich tiefer sinke, abtauche und mich im Sein spüre. Nichts zu tun. Herrlich!
Am Freitagabend habe ich den 1. Mai und das Vollmond-Wochenende am Feuerkorb empfangen und begrüßt. Ich habe stundenlang ins Feuer und in den Himmel geschaut und beobachtet, wie er sich langsam verdunkelt hat, wie die Sterne klarer wurden und irgendwann der Vollmond am Himmel zu sehen war! Kleine Funken sind unaufhörlich in den Nachthimmel geflogen und das Holz hat so lebendig gebrannt. Archaisch – gebannt – verzaubert…
Wie es Oswald Spengler geschrieben hat: „Urzusammenhang zwischen Feuer und Seele“ – so spürbar…
Und gleichzeitig sind an diesem Wochenende ganz tiefe emotionale Prozesse durchgeflossen. Alte, traurige Erinnerungen an unangenehme Situationen und Begebenheiten von irgendwann… Alte Emotionen, die immer wieder aufgetaucht sind und noch einmal angeschaut werden wollten. Und so klar war erkennbar, was damals mein eigener Anteil daran war.
Auslöser war eine ganz tiefe Traurigkeit, die ich am Donnerstag fühlte, als es meiner Katze sehr schlecht ging. Ich hatte sie auf dem Arm und dann kam diese erste Welle der Trauer, dass mir urplötzlich die Tränen liefen. Und daran haben sich meine eigenen Themen angeschlossen – wie in einem Film, der innerlich vorüberzog. Das ging die ganzen Tage so fort, immer wieder dasselbe Thema, dieselbe Emotion – bis sie sich aufgelöst hat. Ein inneres „ich kann es jetzt loslassen“ und weg. Und jetzt habe ich das Gefühl ich bin in tiefem Frieden damit.
Wie geht es dir, wenn du solche alten Themen und Emotionen fühlst?
Wie gehst du damit um?
Nimmst du sie bewusst wahr?
Manchmal sieht es für mich dann so aus, als sei ich mein eigener Beobachter – oder Zuschauer in einem Theater. Dann habe ich das Gefühl, gleichzeitig Schauspieler darin zu sein und eine bestimmte Rolle zu spielen. Und manchmal fühlt es sich an, wie der Regisseur des Stücks.
Ein bisschen merkwürdig diese verschiedenen Blickwinkel gleichzeitig zu sehen.
Und gleichzeitig sehr fein, denn es gibt mir eine innere Freiheit und die Möglichkeit, alles noch einmal aus einem neutralen Blickwinkel anzuschauen und in Liebe zu verabschieden, was mir nicht mehr dienlich ist.
Das verbindende Element zwischen all diesen unterschiedlichen Wahrnehmungen und Erfahrungen ist eine tiefe Verbundenheit zur Natur, den Tieren und Pflanzen (und Wesen) und einer Dankbarkeit, dass ich Teil von all dem hier bin. Und damit verabschiede ich mich für heute von dir und wünsche einen wahren Wonnemonat, eine kraftvolle Zeit und eine gesegnete Zeit.